Wettanbieter Vergleich/Allgemein/[MAG-Bundesligavorschau 2010/11] VfB Stuttgart – Sparen sich die Schwaben kaputt?

[MAG-Bundesligavorschau 2010/11] VfB Stuttgart – Sparen sich die Schwaben kaputt?

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In der heutigen MAG-Saisonvorschau geht es um den Rückrundenmeister der vergangenen Saison: Den VfB Stuttgart. Während sich die Konkurrenten mit internationalen Topstars ausstatten, rüsten die Schwaben auch ohne den abgewanderten Manager Horst Heldt weiter ab. Wird der VfB zur Friedenstruppe der Liga oder können die Talente die namhaften Abgänge auffangen?

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In Stuttgart alles beim Alten

Die vergangene Saison verlief für den VfB Stuttgart nach mittlerweile gewohntem Muster: Schlechte Hinrunde, Trainerwechsel, starke Rückrunde. Letztlich rettete man sich zwar nicht wieder auf den CL-Quali-berechtigenden dritten Platz, aber mit Rang sechs hat man zumindest die Möglichkeit, in der Euro League dabei zu sein. Gott sei Dank, muss man sagen, denn wären selbst diese Einnahmen ausgefallen, hätte es wohl noch mehr Spielerverkäufe geben müssen, als die Stuttgarter Fans jetzt schon zu beklagen haben. Denn auch die Vorbereitung auf die neue Saison zeigt wieder Parallelen zum letzten Jahr: Stars winken freundlich zum Abschied.

Personalien

Führungswechsel

Am besten verschmerzbar ist wohl noch der Abgang von Manager Horst Heldt. Schon kurz nach seiner Ankunft auf Schalke fing Felix Magath an, mit dem Stuttgarter Funktionär zu flirten. Nun, knapp ein Jahr später, folgte Heldt den Rufen des Meistermachers und zeigte dabei, dass es ihm nicht nur körperlich an Größe fehlt. Denn man hat sich nicht im Guten getrennt. Heldts Abschied kam vielleicht nicht überraschend, aber doch plötzlich – und zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt. Mitten in der Vorbereitung, Anfang Juli, gab er seine Entscheidung den Vereinsverantwortlichen bekannt, in einer Phase, als Khedira akute Wechselgedanken hegte und die Kaderplanung im vollen Gange war. Diese musste dadurch kurzfristig für die Suche nach einem neuen Macher unterbrochen werden.

Die Wahl fiel schließlich auf Fredi Bobic, ehemaliges Mitglied des berühmten Magischen Dreiecks aus ruhmreichen Stuttgarter Zeiten. Diese soll er nun auch wieder einleiten, zumal in einem Jahr der Stadionumbau abgeschlossen ist. Damit in dem Schmuckkästchen auch schmucker Fußball zu sehen sein wird, hat Bobic noch einiges zu tun. Einen großen Vorteil hat er: Die Fußstapfen, in die er treten soll, sind nicht allzu groß. Denn auch wenn die Meisterschaft von 2007 in seine Ära fällt, liest sich das Arbeitszeugnis von Horst Heldt nicht wie ein Empfehlungsschreiben: Fehleinkäufe wie Boulahrouz oder Gledson, überteuerte Ablösesummen wie die acht Millionen für Marica sowie sein Versuch, den Verlust von 35-Millionen-Mann Mario Gomez durch 4.8-Millionen-Männchen Pogrebnyak abzufedern, sind nur Eckpfeiler in der Kritik am Ex-Manager.

VFB Stuttgart Khedira

Nach Gomez jetzt Khedira – Die prominenten Abgänge nehmen kein Ende/Foto:www.zaunsturm1905.de

Ob Bobic es besser machen kann, muss sich zeigen. Es ist zumindest nicht so, dass er völlig ohne Erfahrung ins kalte Wasser geschmissen wird. Ein gutes Jahr lang hat er an der Seite von Krassimir Balakov – ebenfalls Mitglied des ehemaligen magischen Dreiecks – beim bulgarischen Klub Burgas angelernt. Beim Transfer von Khedira dürfte Bobic noch kaum seine Finger im Spiel gehabt haben, da dieser bei seiner Ankunft bereits so gut wie abgeschlossen war und wohl von Sportdirektor Jochen Schneider, der Bobic bei seiner Arbeit unterstützen wird, abgewickelt wurde. Trotzdem hängt seine erste Aufgabe zumindest indirekt mit Khedira zusammen: Er muss einen Nachfolger suchen. Keine leichte erste Prüfung.

Stuttgarter Abrüstung – aus schwäbischem Geiz?

Deutschland muss sparen – Stuttgart macht mit. Viele, und viele prominente Namen finden sich auf der Liste der Abgänge; wenige, und noch weniger Prominente auf der der Zugänge. Während die Konkurrenz sich Stück für Stück mit internationalen Topstars ausstattet, verkauft Stuttgart Jahr für Jahr seine eigenen Talente, die es hätten werden können. Ersetzt werden diese hauptsächlich durch neue Talente aus den eigenen Reihen sowie ein paar billige Einkäufe. Das hat bisher zwar immer einigermaßen annehmbar funktioniert, doch kann das Glück nicht ewig anhalten und selbst wenn – Fortschritt bringt das nicht. Seit Jahren baut der VfB durch seine Personalpolitik Substanz ab und hält das Niveau nur, weil immer wieder jemand zufällig über sich hinauswächst. Vergangenes Jahr war es Nationalstürmer Cacau, der Gomez’ Abgang zumindest in der Rückrunde ansatzweise kompensieren konnte. Und eben dieser Cacau wäre den Stuttgartern beinahe flöten gegangen – weil man nicht bereit war, ihm das Gehalt zu zahlen, was der WM-Teilnehmer sich vorgestellt hatte. Erst im Nachsitzen einigte man sich doch noch.

Hauptsächlich B-Promis durfte man auf dem Stuttgarter Vereinsgelände hingegen neu begrüßen. Am wichtigsten und wahrscheinlich sogar unterschätzt wird dabei die Rückkehr vom zweimaligen deutschen Meister Christian Gentner. Zusätzlich wurde mit Martin Harnik ein österreichischer Stürmer verpflichtet, dem Talent zugesprochen wird. Das konnte er in der vergangenen Saison mit 13 Treffern in der 30 Spielen in der zweiten Liga maximal andeuten. Auch seine Nationalelf-Bilanz (zwei Tore in 16 Partien) lässt die Herzen der VfB-Fans kaum höher schlagen. Schon fraglich, ob es sinnvoll ist, dass das Stuttgarter Eigengewächs Julian Schieber für ihn Platz machen musste und für ein Jahr nach Nürnberg geschickt wurde. Erfreulich hingegen, dass die bisher nur ausgeliehenen Christian Molinaro und Georg Niedermaier weiterverpflichtet werden konnten. Auf der Torhüterposition entschied man sich nach dem Karriereende von Jens Lehmann, Sven Ulreich nochmals eine Chance zu geben. Das ist allerdings keine Billiglösung, denn dass Ulreich Talent hat, ist unbestritten. Inzwischen ist hoffentlich auch noch etwas mehr Coolness und Ruhe hinzugekommen. Zur Not hat man ihm den erfahrenen Marc Ziegler zur Seite gestellt.

Zugänge: Philipp Degen (FC Liverpool, ausgeliehen) Christian Genter (VfL Wolfsburg), Martin Harnik (Werder Bremen), Christian Molinaro (Juventus Turin), Georg Niedermaier (FC Bayern München), Clemens Walch (VfB Stuttgart II), Marc Ziegler (Borussia Dortmund), Johan Audel (AFC Valenciennes)

Abgänge: Sami Khedira (Real Madrid), Roberto Hilbert (Besiktas Istanbul), Aliaksandr Hleb (FC Barcelona), Martin Lanig (1. FC Köln), Jens Lehmann (Karriereende), Georges Mandjeck (Stade Rennes), Ricardo Osorio (CF Monterrey), Alessandro Riedle (VfB Stuttgart II), Julian Schieber (1.FC Nürnberg, ausgeliehen), Matthias Schwarz (VfB Stuttgart II)

Das Team

Die Talente, die in der kommenden Saison Abgänge wie Khedira, Hilbert, Lanig und Hleb ersetzen sollen, heißen in erster Linie Funk, Walch und Didavi. Noch nie gehört? Kein Grund, an der eigenen Fußballfachkompetenz zu zweifeln. Die Jungs sind bisher einfach noch nicht in Erscheinung getreten. Zumindest nicht in der Bundesliga. Dafür aber zwei Klassen tiefer, in der 3.Liga. Fordert der VfB da nicht zu viel von seinen Talenten? Das wird sich zeigen. Noch besteht ja auch die Möglichkeit, den ein oder anderen Spieler zu verpflichten. Die Verhandlungen mit Flügeldribbler Ayew sind allerdings gescheitert, bei Rechtsverteidiger Philipp Degen waren sie erfolgreich. Der Schweizer kommt auf Leihbasis vom FC Liverpool, außerdem ist aktuell Tiago von Juventus Turin als Khedira-Nachfolger im Gespräch.

VFB Trainer

Wie Gross sind seine Sorgen wirklich?/Foto:www.zaunsturm1905.de

Wenn Stuttgart-Trainer Christian Gross sagt, er mache sich Gedanken über die Abgänge und die Stärke des Kaders, drückt er sich wohl dem Vereinsfrieden wegen noch vorsichtig aus. Zumindest in der Öffentlichkeit. Natürlich ist der Sparkurs der Schwaben verständlich. Nicht nur aufgrund ihrer Mentalität, sondern auch wegen dem Stadionumbau, der sich nun mal nicht mit Mohrrübenscheiben finanzieren lässt. Nur muss man aufpassen, dass die Sparpolitik nicht zu sehr zu Lasten der Kaderqualität geht, gerade wenn man sich die Verstärkungen der Konkurrenz um die internationalen Plätze anschaut. Man sollte bedenken, dass beim Verpassen des europäischen Wettbewerbs ebenfalls Millionen verloren gehen, die dann wieder durch Spielerverkäufe reingeholt werden müssen. Bekommt der VfB die Kurve nicht, droht eine Teufelsspirale, die über kurz oder lang in den Abgrund führt.

Die Saisonziele, Prognose

Beim VfB Stuttgart weiß man schon, warum man kein konkretes Saisonziel ausgibt. Man ist sich dem Risiko, dass man mal wieder eingeht, durchaus bewusst. Das wirft Fragen nach der finanziellen Situation des Vereins auf, die hier aber nicht beantwortet werden können. Fest steht jedenfalls, dass mit dem aktuellen Kader eine Platzierung unter den ersten sechs utopisch scheint. Es ist allerdings wahrscheinlich, dass noch die ein oder andere Verstärkung kommt. Wieviel Geld die traditionell geizigen Schwaben dabei in die Hand nehmen, bleibt abzuwarten. Man kann nur hoffen, dass die Verantwortlichen nicht insgesamt so kurzfristig denken, wie Coach Christian Gross bei seinem Ziel: Ein guter Start in die neue Saison.

Autor Chris Schneider
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Felix
19. September 2016 - 22:23 Uhr
Immer dasselbe..

Jede Saison dasselbe Spiel: der VfB wird allüberall dem Mittelfeld der Tabelle zugerechnet. Der kicker rechnet damit, und die obige Analyse hat denselben Tenor. Nur das die Bilanz der letzten Jahre da etwas ganz anderes ausweist. Und wer ist denn jetzt wirklich gegangen? Hleb hat eine schwache Saison gespielt, Hilbert hätten wohl die meisten VfB-Fans verkauft, Osorio hat kaum gespielt. Lehmann wird mir fehlen, aber sonst? Auch wenn aus der Jugend momentan etwas der Nachschub fehlt (Holzhauser scheint das nächste Groß-Talent zu sein, das dauert aber noch etwas), es hat sich immer wieder gelohnt, auf diese Karte zu setzen – und dass dabei auch viel Geld investiert wird, vergisst man leicht. Der VfB 10/11 hat eine ausgezeichnete Abwehr anzubieten (sobald auch Delpierre wieder fit ist), weiterhin gute 6er und mit Marica oder Gebhart Spieler, die fast schon garantiert noch zulegen werden – s.h. Rückrunde Marica oder die derzeitige Vorbereitung Gebharts. Ich sehe keinen Grund, warum dieses mal wieder unterschätzte Team nicht um die CL-Plätze mitspielen sollte. Wenn jetzt noch eine wirkliche Verstärkung für außen käme…

Tobias
19. September 2016 - 22:22 Uhr
Nette Analyse

Nette Analyse, aber ein paar Worte möchte ich sagen. Zum einen sind Schwaben nicht geizig sondern sparsam, feiner Unterschied! Zum Anderen, bis hat man in Stuttgart häufig das Gefühl gehabt, man könne nicht oben mitspielen und immer dann landete man in der Champions Leaque. Trotzdem ist diese Saison eine schwierige Saison, auch wenn ich davon überzeugt bin, dass die Jugendarbeit dem VfB ein weiteres Mal überdurchschnittlich helfen wird.

BL
19. September 2016 - 22:21 Uhr
durchschnittlich...

Naja, durchschnittliche Analyse. Außer Bayern und Bremen war kein anderer deutscher Verein in den letzten zehn Jahren so oft international vertreten wie der VfB. Und das mit genau der Vereinsphilosophie, die hier jetzt so kritisiert wird. Immer wenn der VfB “Stars” eingekauft hat, konnte man sein Geld darauf verwetten, dass eine mäßige bis schlechte Saison ansteht. Die Folge: Ein überteuerter Kader, der mehr Geld kostet, als selbst die Teilnahme am internationalen Geschäft bringt. Das Bauen auf den eigenen Nachwuchs hingegen hat sich in der Vergangenheit eigentlich immer ausgezahlt – sowohl sportlich, als auch finanziell. Mal ganz davon abgesehen, dass man sich als Fan auch besser mit einer Mannschaft voller Eigengewächsen identifizieren kann. Söldnertruppen gibt es genug. Also, vielleicht noch einmal das übliche Rufen nach den “großen Namen” überdenken.

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