Wettanbieter Vergleich/Allgemein/[1. Bundesliga 2013/14] Die MAG-Halbzeitbilanz: Hertha BSC Berlin – Das Ende der „Fahrstuhl-Phase“?

[1. Bundesliga 2013/14] Die MAG-Halbzeitbilanz: Hertha BSC Berlin – Das Ende der „Fahrstuhl-Phase“?

4 / 5 Wertung

Aufgestiegen und bis auf Rang 6 geklettert. Hertha BSC hat den Abstiegskampf schon nach der Hälfte der Saison so gut wie gewonnen. Das MAG resümiert die ersten Monate der Berliner nach der Wiederkehr in die Bundesliga.

Hertha BSC Logo

Hertha BSC Berlin 

Die Hinrunde

Die Bundesligarückkehr ist geglückt. Als Aufsteiger hat sich die Berliner Hertha bis ins obere Tabellendrittel verlaufen. Euphorisiert durch das fulminante 6:1 gegen Eintracht Frankfurt gleich am ersten Spieltag legte die Alte Dame einen blitzsauberen Start hin, holte aus den ersten drei Begegnungen sieben Zähler. Dass anschließend drei sieglose Spiele folgten, war vielleicht mehr Segen als Fluch. Wer weiß, in welche Höhen die Euphorie und die Erwartungen ansonsten geschossen wären und wie die junge Berliner Mannschaft das verkraftet hätte?

Stattdessen sammelte man ruhig seine Punkte, und zwar hauptsächlich gegen Gegner aus den unteren und mittleren Tabellenregionen. Große Aufreger – positiv wie negativ – gab es wenige. Lediglich die Siege gegen Gladbach sowie bei Borussia Dortmund waren eine echte Überraschung. Bei den Bayern und gegen Bayer Leverkusen verkaufte man sich zwar teuer, stand aber letztlich mit leeren Händen da. Die Hertha holte ihre Punkte vor allem dort, wo man es ihnen von vornherein zutraute, das aber mit einer beeindruckenden Zuverlässigkeit. Lediglich am sechsten Spieltag fand man sich in der zweiten Tabellenhälfte wieder. Bereits vor Beginn der Rückrunde stehen somit 28 Zähler auf dem Berliner Konto. In der vergangenen Spielzeit hätten schon vier mehr zum Klassenerhalt gereicht.

Bemerkenswert – gerade für einen Aufsteiger – sind vor allem zwei weitere Dinge: Die lediglich zwei erlittenen Niederlagen in der Fremde so wie die mit nur 20 Gegentoren gute Abwehrleistung. Mit beiden Statistiken stehen die Berliner besser da als der Überraschungsaufsteiger der vergangenen Saison – Eintracht Frankfurt – vor einem Jahr. Und für die Hessen ging es bekanntlich bis nach Europa.

hertha_bsc_platzierungsverlauf

Platz: 6
Punkte: 28 – 8S/4U/5N
Heim: 16 – 5/1/3
Auswärts: 12 – 3/3/2
Bester Schütze: Ramos 11
Bester Scorer: Ramos 15 – 11T 4V
Zuschauerschnitt /Auslastung: 52.352 /70,5%
Fair-Play-Wertung: Platz 6 / 35 Punkte

Personalien

Kurz vor Ablauf der Transferperiode machten die Berliner einen Schachzug, der rückbetrachtend nur auf den ersten Blick unklug wirkt: Sie gaben Stürmer Pierre-Michel Lasogga an den Hamburger SV ab und erhielten im Gegenzug Mittelfeld-Allrounder Per Skjelbred. Trainer Jos Luhukay hatte sich früh auf Adrian Ramos als Sturmspitze festgelegt und angesichts von elf Treffern des Kolumbianers bis hierhin keine falsche Entscheidung getroffen. Den Verlust von Lasogga kann man somit trotz seiner starken Leistungen beimHSV ganz gut verkraften, während Skjelbred einen entscheidenden Anteil am Erfolg der Hertha in der Hinserie hat. Der Norweger trat im Mittelfeld immer dort auf, wo er gebraucht wurde und brachte auf Anhieb solide bis starke Leistungen. Lasogga hat derweil im Norden viel Spielpraxis sammeln können und sich stark weiterentwickelt. Da Hamburg keine Kaufoption hat, kann der deutsche Nachwuchsstürmer Adrián Ramos im Falle seines Abgangs ersetzen. Der größere Gewinner dieses Tauschgeschäfts heißt HerthaBSC.

hertha_bsc_lasogga

Das große Fragezeichen: Liegt Lasoggas Zukunft bei der Hertha? /Foto: Amy.Leonie
(Verwendung unter Creative Commons Lizenz)

Dass Skjelbred überhaupt eine zentralere Rolle einnehmen musste, als man ihm zu Beginn angedacht hatte, lag auch an der Verletzung von Alexander Baumjohann. Als dieser sich am vierten Spieltag beim VfL Wolfsburg einen Kreuzbandriss zuzog, fiel ein wesentlicher Baustein der Berliner Offensive – eigentlich das komplette Kreativzentrum – langfristig aus. Dies gemeinsam mit dem körperlichen Zustand von Ronny, der Luhukay dazu veranlasste, ihn zu Saisonbeginn von der Bank aus an den Spielen teilnehmen zu lassen, ließ Zweifel an der Bundesligatauglichkeit des Herthaner Angriffsspiels aufkommen. Der Brasilianer war einer der Hauptverantwortlichen für den Wiederaufstieg gewesen und sollte eigentlich auch wesentlich zum Klassenerhalt beitragen, kam jedoch einmal mehr mit Übergewicht aus dem Urlaub zurück. Spieler wie Ben-Hatira und Allagui sprangen in die Bresche, sodass Ronny lange Zeit kein Thema in Berlin war. Luhukay versuchte, ihn langsam vor allem als Einwechselspieler wieder einzubauen, doch die Hertha hat sich von ihm unabhängig gemacht.

Unverzichtbar ist dagegen Fabian Lustenberger, der eine fantastische Hinrunde spielte. Der Schweizer Innenverteidiger absolvierte alle 17 Spiele über die volle Distanz und blieb dabei ohne eine einzige Gelbe Karte (!). Zweiter Dauerbrenner in der Hauptstadt war der Japaner Hajime Hosogai, der im defensiven Mittelfeld ebenso verantwortlich für Stabilität des Berliner Abwehrverbundes war. Gemeinsam mit Torwart Kraft und Topstürmer Adrián Ramos bilden die beiden das unverzichtbare Quartett und Grundgerüst der Alten Dame. Wie lange der Kolumbianer zu diesem allerdings noch dazu gehören wird, ist fraglich. Seine starken Leistungen haben Begehrlichkeiten bei anderen Klubs geweckt. Unter anderem soll Borussia Dortmund, bekanntlich auf der Suche nach neuen Angreifern, Ramos sehr genau beobachten. Sein Vertrag läuft (genau wie der von Lasogga) noch bis 2015. Das heißt, es wäre nur noch in diesem Sommer eine Ablöse für ihn zu erzielen.

Trainer und Umfeld

Beigetragen zum Herthaner Erfolg in der Hinrunde hat sicherlich nicht zuletzt, dass anders als bei den letzten Gastspielen in der Bundesliga nun schon über einen längeren Zeitraum Ruhe im Umfeld herrscht. Scheinbar hatte der Abstieg 2012 nach dem Skandalspiel in Düsseldorf diesbezüglich heilende Wirkung. Meldungen über Querelen in der Vereinsführung oder private Skandale einzelner Spieler blieben aus. Lediglich Ronnys Fitnesszustand und die Vertragssituation von Pierre-Michel Lasogga waren Themen abseits des Platzes, die die Berliner beschäftigen. Im ersten Fall ist Entspannung eingetreten, dem zweiten kann man entspannt entgegensehen. Allein die Hertha entscheidet, wo Lasogga in der nächsten Saison spielen wird. Lediglich der Spieler selbst könnte sich querstellen. Zwar ist Lasogga Hertha BSC sehr verbunden, jedoch werden ihm Schwierigkeiten mit Luhukay nachgesagt.

Jos Luhukay

Tut der Hertha gut – Jos Luhukay /Foto: Thomas Rodenbücher
(Verwendung unter Creative Commons Lizenz)

Ansonsten verbreitete sich rund um Charlottenburg nichts als Euphorie und Zufriedenheit über den anhaltenden Erfolg der Hertha. Selbst die Medien in der Hauptstadt stimmten mit ein. Entscheidenden Anteil daran hat sicherlich auch Coach Jos Luhukay. Mit ihm scheinen die Berliner den augenblicklich optimalen Trainer gefunden zu haben. Die ihm eigene Ruhe, mit der er seine Arbeit verrichtet, tut dem hektischen Umfeld mehr als gut. Es gelingt ihm nicht nur, seine Spieler immer wieder auf das Wesentliche zu fokussieren, sondern er hat auch einen klaren Plan vom Spiel seiner Mannschaft. Bisher ging dieser auf. Es wird interessant zu beobachten sein, wie Trainer, Verein und Umfeld reagieren, sollte es in der Rückrunde eine Phase des Misserfolges geben. Die Hertha dürfte nun als direkter Konkurrent um die internationalen Plätze angesehen und somit anders gespielt werden als in der Hinrunde, in der man noch als Aufsteiger galt. Dass es in Berlin in dieser Saison nochmal unruhig wird, scheint aber unwahrscheinlich. Denn mit jetzt schon 28 Punkten wird man kaum noch in ernsthafte Gefahr geraten, und die Qualifikation für Europa erwartet selbst in der Hauptstadt so gut wie niemand.

Die Saisonziele, Prognose

Kann die Hertha eine ähnlich gute Rückrunde spielen? Gerne verweist man darauf, dass sich die Gegner in der zweiten Halbserie besser auf einen Überraschungsklub einstellen und in der Tat lassen sich in der Vergangenheit dafür einige Beispiele finden. Doch die Berliner stehen nicht durch Glück oder Zufall bei 28 Punkten. Sie gewannen ihre Spiele meist verdient und verloren einige sogar eher unglücklich. Aus einer stabilen Defensive heraus spielt das Team von Luhukay kreativ, vielseitig und erfolgreich nach vorne und ist somit für viele Gegner in der Bundesliga unangenehm zu verteidigen. Die Mannschaft ist hungrig, das Umfeld euphorisiert. Wenn ungeklärte Vertragssituationen und andere Themen abseits des Platzes nicht Überhand nehmen und die Mannschaft fokussiert bleiben kann, wird die Hertha nicht allzu viele Plätze verlieren. Andernfalls wird es ein gesicherter Mittelfeldplatz. Auch damit könnte man aber zufrieden sein. Für Berlin geht es in den nächsten Jahren darum, sich wieder dauerhaft im Oberhaus zu etablieren. Bisher ist man auf einem guten Weg.

Prognose: Platz 7-9

Autor Chris Schneider
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Chris Schneider
19. September 2016 - 20:58 Uhr
Danke für das Feedback

Alles klar – danke im Namen des Autors.

Wominator
19. September 2016 - 20:52 Uhr
Toller Artikel

Toller, sachlicher Artikel der sehr gut die Situation von Hertha BSC beschreibt. Eine kleine Korrektur möchte ich als Berliner doch anmerken: Das Olympiastadion liegt in Charlottenburg und Spandau ist nicht das Zentrum von Berlin! 😉
Gruß aus Berlin
Wominator

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